ratheringe

 

Wir erobern unseren Dachboden. Es ist verboten ihn zu betreten,aber Ina schert sich"einen Dreck" drum. Margit widerspricht Ina fast nie und Roy macht sowieso immer mit. Ich träume von Unmengen Kisten in denen ich nach Schätzen stöbern kann. Katrin ist noch zu klein für die Dachbodeneroberung,aber sie ist nicht zu klein um während unseres Feldzuges auf Oliver und Jutta aufzupassen. Unsere alte Villa hat eine Besonderheit. Das Treppenhaus ist in einen Turm. Wir wohnen also fast in einem kleinem Schloß. Für mich ist der Dachboden eine Enttäuschung. Nur drei Kisten stehen hier, wertloses Zeug beinhaltend. Roy sagt, dass das Kochgeschirr von den Soldaten aus dem zweiten Weltkrieg ist. Davon versteht er was.Seit Weihnachten hat er einen Chemiekasten und es gelingt ihm immer wieder, dass eine oder andere Spielzeug von uns in die Luft zu sprengen. Er kann auch wunderbare Sprühfeuer herstellen, die herrlich knistern. Die Eltern haben keine Ahnung was für ein großartiger Chemiker in ihm steckt. Roy sagt ein großartiger Chemiker zu sein ist mindestens so schlimm wie eine halbe Flasche Schaumbad auf einmal zu verbrauchen, also sag ich lieber nichts und er bleibt weiterhin ein heimlicher großartiger Chemiker. Roy bekommt sowieso schon oft genug Schläge, manchmal schon für seine bloße Anwesenheit-und unser Stiefvater ist nicht gerade zimperlich. Ab und zu denkt er daran wegzulaufen, ich werde dann mitgehen. Der Stiefvater macht mit mir oft Sachen die ich nicht mag und ist dabei auch nicht zimperlich.


                   

Margit(ca.10J.alt)                            Ich(ca.9J.alt)

 

Ina ist grandios mutig, sie klettert aus der Dachluke. Margit und Roy folgen ihr, ich traue mich nur aus der Dachluke rauszugucken. Die Fasteinschloßvilla ist zweigeschossig und es ist sehr hoch. Roy und Margit bleiben auf dem Dach sitzen, Ina klettert zur Turmspitze runter und läuft einmal um die Turmspitze herum,auf dem wirklich sehr schmalen Gesims. Ich mag nicht länger zuschauen, sehe mich noch ein wenig auf dem Dachboden um und werde belohnt. Zwischen den Balken entdecke ich einen schmalen Zugang in die Turmspitze.Ich fühle mich wie Christoph Kolumbus. Hier ist kein Mensch mehr gewesen,seit das Haus gebaut worden ist. Dickes Sägemehl liegt auf dem Boden,gekrönt von einem wirklich schönen Rattenskelett. Überall hängen dichte Spinnengewebe und eine dicke, besonders große Spinne sieht mich überrascht an.Mich als Besuch hat sie nicht erwartet. Ich verspreche nichts zu zerstören und zwänge mich wieder zwischen den Balken zurück. Den anderen sage ich nichts von meiner Entdeckung. Das ist ein wunderbares Versteck,fast genauso gut wie der Kellerschlund, nur leider viel schwerer zu erreichen.

 

Katrin und Ina mit unserem Hund Rex in der Parchimerstrasse

 

Ina ist Turmkönigin und ich darf nicht mehr mit erobern, weil ich mich nicht auf das Dach getraut habe. Es macht mir aber nichts aus, wegen dem Turmversteck. Ich will Katrin bei den Kleinen ablösen, damit sie auch noch ein bisschen erobern kann.Aber inzwischen ist unsere Haushaltshilfe gekommen und passt nun auf die Kleinen auf. Nach den anderen fragt sie nicht,sie sieht besonders Ina lieber aus weiter Ferne. Katrin entschwindet mit einem Grinsen, in der sicheren Gewissheit sich ungestört verbotenen Abenteuern widmen zu können. Ich will mich gerade in die Johannisbeerstrauchhöhle verkrümeln,als Roy angeschlendert kommt. Irgendwie sieht er seit einiger Zeit verkehrt zusammengebaut aus und ist ganz schlackerig. Roy hat keine Lust mehr auf Dachbodenabenteuer,er hat noch drei Mark und möchte sich was kaufen, ob ich wohl mit möchte. Ich habe auch noch eine Mark und wir kaufen für vier Mark grüne Heringe. Wir sind sehr erstaunt,wie viele Heringe wir für das Geld bekommen und haben beide das Gefühl einen guten Einkauf getätigt zu haben.

 

     

Roy(ca.8J.alt)

 

In der hintersten Ecke unseres Gartens baue ich einen schönen Lagerfeuerplatz.Genug trockenes Holz findet sich schnell. Roy ist entschwunden, kehrt aber nach einer Weile zurück.Er hat einiges von dem Zweiteweltkriegsgeschirr vom Dachboden geholt, wir können es nun gut gebrauchen. Sehr gerne würde Roy das Feuer mit einem kleinen Sprengsatz entzünden, ich bin aber eher für die richtige Lagerfeueranzündmethode. Der Sprengsatz könnte uns veraten und wir wollen lieber unentdeckt bleiben. Bald knistert ein lustiges Feuer und wir legen die Heringe auf ein altes Backofengitter. Es riecht wunderbar und nach einer Weile platzen die Heringe am Bauch auf. Gedärme fallen stinkend und zischend in das Feuer.Wir warten bis es aufgehört hat zu stinken und zu zischen und vorsichtshalber ein bisschen länger-bis es wieder richtig gut riecht. Die Heringe sind nun sehr gut braun,schrumpelig und knusprig,Wir essen nur wenig davon und trinken dazu Wasser aus der Regentonne, dass wir in unsere wunderbaren Zweiteweltkriegsbecher füllen. Danach plagen wir uns zwei Wochen lang mit einem ziemlich bösen Ausschlag rum.

 

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