Erinnerungen

Mein Bruder Roy und ich(4 und 5 Jahre alt)

 

Die Erinnerungen an meine Kindheit waren lange Zeit von dem jahrelangen sexuellen Missbrauch, durch meinen Stiefvater geprägt. Dadurch wurden den anderen Erlebnissen,die ihnen zustehende Wichtigkeit verweigert. Doch je mehr ich die Missbrauchsgeschichte verarbeitet habe, umso mehr erhielten andere Erlebnisse aus der Kinderzeit wieder ihre Wichtigkeit und ich erhielt ein wesentliches Stück Kindheit zurück. Selbst mit dem Stiefvater gab es schöne Erlebnisse, obwohl es mir immer noch sehr schwer fällt, diesen positive Beachtung zu schenken. Die Hauptaufgabe meiner Eltern schien darin zu bestehen , nicht anwesend zu sein. Stets hatte die Arbeit Vorang, ebenso wie die Bemühungen, nach außen hin etwas dazustellen. Oft schienen wir Kinder nur als Vorführobjekte ihr Interesse zu erwecken. Keiner von uns war wirklich geeignet dafür. Anwesenheit der Eltern war meistens von Unruhe und Streit geprägt.

 

Roy,Jutta und Ich mit Onkel Wolfgang

 

Wir lebten in unserer Fasteinschloßvilla mit vier Erwachsenen und sieben Kindern. Außer der Mutter von Jutta,Oliver,Roy und mir,gab es meinen Stiefvater, der auch der Stiefvater von Roy ist, die Mutter von Margit , Ina und Katrin (Tante Christa) und Onkel Wolfgang. Onkel Wolfgang und Tante Christa sind Geschwister. Onkel Wolfgang ist der Lichtpunkt meiner Kindheitserinnerungen. Gütig, geduldig, nie laut und sehr belesen, war er ein wichtiger Punkt in meinem Tagesablauf- sicher , unveränderbar, immer verlässlich.

 

Oliver`s zweiter Geburtstag

 

An Tante Christa habe ich nur wenige Erinnerungen. Wir haben nie Zugang zueinander gefunden, obwohl wir die Leidenschaft für das zeichnen und malen teilten. Die wenigen Augenblicke die wir miteinander verbracht haben, sind in meiner Erinnerung aber immer positiv geprägt. Zu meinem zehnten Geburtstag hat sie mir eine riesige Schlenkerpuppe mit roten Zöpfen genäht, die fast ebenso groß wie ich war.

 

Unsere *Fasteinschloßvilla (gemalt von Tante Christa)

 

In den Anfangszeiten der Fasteinschloßvilla, lebten auch noch Oma und Opa Horn mit im Haus. Das waren die Eltern von Tante Christa und Onkel Wolfgang. Sehr gütige alte Leute, die uns aber nicht lange mit ihrer Anwesenheit beehrten. Opa Horn war Pastor und hat Jutta und Oliver in der Fasteinschloßvilla getauft. Unsere gute Stube, kam so in den kurzzeitigen Genuss, sich in einen Kirchenraum zu verwandeln.

 

Oliver und Jutta

 

Zu unserem Umfeld gehörten weiterhin eine Menge Onkels und Tanten. Wir Kinder haben uns nie die Mühe genmacht, sie zu sortieren. Omas, Opas, Onkels und Tanten haben wir immer sehr großzügig geteilt. Der unschlagbare Lieblingsonkel war aber Onkel Wolfgang. Jeden Samstag machte er sich auf den Weg, um Vogelfutter und andere notwendige Kleinigkeiten einzukaufen. Zwei von uns durften immer mitgehen und die Krönung dieses Samstagvormittags,war das Spielzeuggeschäft Domroes. Hier gab es ein Regal mit allerlei kleinen Artikeln zu fünfzig Pfennig und wir durften uns ein Teil aussuchen. Das war immer eine sehr schwierige und langwierige Entscheidung, denn viele Dinge standen zur Auswahl. Es gab bunte Jojo`s,Flummis, Triller- und Vogelpfeifen, winzige Puppenhausbabys mit blauen Augen, kleine Ratschen, Knackerfrösche und Glasmurmeln in allen erdenklichen Farben und Größen (davon bekam man je nach Größe mehrere für die fünfzig Pfennig). Ich besitze heute noch eine ansehnliche Sammlung Glasmurmeln aus dieser Zeit.

 

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