Fahraddiebstahl und Weihnachtsbäume

 

Zu ihrem dritten Geburtstag hat Jutta ein kleines rotes wundervolles Stützradfahrrad bekommen. Sie fährt nun schon ziemlich gut damit und wir Großen sind der Meinung dass das wundervolle kleine rote Stützradfahrad ein Geschenk für uns alle gewesen ist. Jetzt können wir Jutta überall mit hin nehmen,ohne sie ständig tragen zu müssen. Jutta läuft die halbe Parchimerstrasse hoch und jammert - Margit trägt sie ein Stück. Jutta läuft den kleinen Rest bis zum Ende der Parchimerstrasse und jammert wieder - diesmal trage ich sie ein Srück die Schwerinerstrasse hoch. Wenn wir nur Milkay Way und Brausepulvertüten brauchen, hat die Tragerei jetzt ein Ende, aber um anständig einzukaufen müssen wir in die Rahlstedter Strasse. Dann geht die Jammerei weiter, Roy und Ina müssen sich dann auch mit der Tragerei abplagen. Katrin und Oliver haben Glück, sie sind noch zu klein um die Jammerliese rumzutragen. Ich weiß auch nicht, warum die kleine Jamerliese keine Karre mehr hat. Aber nun ist das kleine wundervolle rote Stützradfahrrad da und wir hören auf Jutta "Jammerliese" zu nennen. Nun fährt sie Fahrrad anstatt zu jammern und wir können sie wundervoll überall mit hin nehmen.

Heute wollen wir Weihnachtsgeschenke kaufen. Bis Weihnachten sind es nur noch drei Tage und nicht einer von uns hat bisher ein einziges Weihnachtsgeschenk eingekauft. Wir stöbern alle Geschäfte durch und beschließen dann unser Geld zusammen zu legen und Schmelzgranulat zu kaufen. Wir kaufen vier Tüten in verschiedenen Farben und ausserdem kleine Formen, in die das Schmelzgranulat hineingefüllt wird um es dann im Backofen zu schmelzen. Die Verkäuferin ist so freundlich uns allles genau zu erklären und wir werden damit prima Fensteranhänger herstellen. Das wundervolle kleine rote Stützradfahrrad lassen wir vor dem freundlichen Schmelzgranulatgeschäft, im Fahrradständer stehen und gehen nun rüber zum Marktplatz. Dort gibt es eine große Fläche nur mit Weihnachtsbäumen. Wir sind begeistert. So viele Weihnachtsbäume. Wir könnten in jedes Zimmer der Fasteinschloßvilla einen Weihnachtsbaum stellen und ihn mit unseren prima Schmelzgranulatanhängrn schmücken. Sorgfältig suchen wir sieben Weihnachtsbäume aus. Wir richten uns dabei nach unserer Größe, denn schließlich sollen wir sie ja auch nach Hause tragen. Margit und mein Weihnachtsbaum sind gleich groß, Jutta bekommt einen klitzekleinen damit sie nicht wieder zur Jammerliese wird. Wir finden es phänomenal toll, dass Rahlstedt seinen Mitbürgern Weihnachtsbäume zur Verfügung stellt und werden gleich heute abend unseren Eltern davon berichten, damit sie morgen noch einen für die Stube besorgen können. Fröhlich und lauthals Weihnachtslieder singend schleppen wir unsere Beute nach Hause. In der Parchimerstrasse kann keiner von uns seinen Weihnachtsbaum mehr tragen und wir gehen dazu über die Bäume hinter uns her zu ziehen. Fröhlich sind wir aber immer noch. Wir sind genauso lange fröhlich bis wir an unser Gartentor kommen. Dort steht die Mutter von Oliver, Jutta, Roy und mir und sieht weitaus unfröhlicher aus als wir Kinder. Normalerweise ist sie um diese Urzeit nicht zu Hause. Ich frage sie ob sie nichts im Büro zu tun hat und Ina tritt mich gegen das Schienbein. Das tut mächtig weh und ich bin nun auch unfröhlich. Wegen der Weihnachtsbäume werden wir richtig ausgefragt und kommen uns vor wie bei einem Polizeiverhör "..........und wo ist Juttas Fahrrad?" Wir sehen uns erschrocken an. Das wundervolle kleine rote Stützradfahrrad steht noch vor dem freundlichen Schmelzgranulatgeschäft. Das Fahrrad müssen wir holen und die Weihnachtsbäume müssen auch zurück, weil wir sonst Weihnachtsbaumdiebe sind und es dann nichts zu Weihnachten gibt. Es besteht sogar die Gefahr,dass Weihnachten deswegen ganz komplett ausfällt. Inzwischen sind wir alle unfröhlich. Jutta,Oliver und Katrin müssen zu Hause bleiben. Ina, Margit, Roy und ich sollen "die Sache" in Ordnung bringen. Wir können die Weihnachtsbäume nur noch erschöpft hinter uns herschleifen, zumal wir ja nun noch auch die Bäume von den Kleinen mit haben. Am Ende der Schwerinerstrasse haben sie bereits ordentlich Nadeln eingebüßt und Ina sagt, dass wir als Rahlstedter Weihnachtsbaumpiraten in die Geschichte eingehen werden. Das mit den Piraten baut uns wieder ein bisschen auf.

Den Weihnachtsbaumdiebstahl haben wir nun rückgängig gemacht aber das wundervolle kleine rote Stützfahrrad ist verschwunden. Wir suchen alles danach ab und finden es schließlich im Fahrradständer am Bahnhof wieder. Wir sind empört, das Fahrrad ist nicht nur gestohlen worden sondern hier auch noch mit einem Zahlenschloß angekettet! Der dreiste Dieb hat die Rechung ohne Ina gemacht. Zahlenschlösser sind ein Klacks für sie. Ina kann genau hören wann die Zahlen an der richtigen Stelle einrasten und schwuppdiwupp ist das Schloß offen. Froh das Fahrrad zurück erobrt zu haben, ziehen wir weihnachtsbaumlastbefreit nach Hause. Die Strassen erscheinen uns mittlerweile doppelt so lang wie heute morgen und wir träumen davon, für unsere Heldentat mit Kakao und Waffeln belohnt zu werden. Garnichts gibt es. Auf dem Gartenweg der Fasteinschloßvilla steht Juttas wundervolle kleine rote Stützradfahrrad und keiner weiß wie es dahin gekommen ist. Wir sind an diesem Tag das zweite Mal unfreiwillig zu Dieben geworden. Schweigend laufen wir den ganzen langen Weg zurück und ketten das Fahrrad wieder an den Fahrradständer.

Am nächsten Morgen haben wir uns von der ganzen Geschichte gut erholt. Wir warten bis alle Erwachsenen zur Arbeit entschwunden sind und stellen in unserem Backofen Unmengen von Schmelzgranulatanhängern her. Die Kleinen dürfen nur helfen das Granulat in die Formen zu füllen, an den Backofen dürfen sie nicht. Mittags kommt Tante Christa von ihrer Arbeit im Kindergarten nach Hause. Wegen Weihnachten ist dort heute früher Schluss,das hatten wir nicht bedacht. Sie schimpft aber nicht sondern holt einen Korken, eine große Stopfnadel und eine Kerze. Die große Stopfnadel steckt sie in den Korken und macht sie dann über der Kerzenflamme heiß. Damit sticht sie in jeden der Anhänger an der Oberkannte ein Loch rein. Wir bekommen Zwirnsfaden und eine Schere. Während wir den Zwirnsfaden in Stücke schneiden, in die Löcher einfädeln und verknoten, macht Tante Christa uns Waffeln und Kakao.

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