Frau Martha

 

Roy und ich müssen dringend ein bisschen Geld verdienen. Ich habe meine Leidenschaft für Schokolade entdeckt und Roy braucht Geld für die Zutaten seiner verschiedenen Experimente. Ein großartiger Chemiker muss ständig neue Experimente ausprobieren und das ist teuer. Margit , Ina und Katrin wollen auch ein bisschen Geld verdienen, Oliver und Jutta verstehen da noch nichts von, wollen aber trotzdem mitmachen. Wir haben Sommerferien, also genug Zeit um eine wirklich gute Geschäftsidee zu entwickeln. Für das Entwickeln sind Roy und Ina zuständig, die verstehen am meisten davon. Wir entscheiden uns für den Blumenverkauf. Blumen sind genug im Garten und im Keller steht ein Tapeziertisch, den wir nun raufschleppen und am Gartenzaun der Fasteinschloßvilla aufstellen. Ich male ein schönes großes Schild.

 

 

Dann pflücken wir alles an Blumen was unser Garten hergibt. Da können auch Jutta und Oliver helfen. Mit bunten Bändern binden  wir schöne kleine Sträusse. Gut dass wir so viele Wassergläser in der Küche haben, so können wir unsere Sträusse schön präsentieren und sie trocknen nicht aus. Ein klarer Nachteil der Parchimerstrasse ist, dass sie nicht gerade eine belebte Einkaufstrasse ist. Normalerweise gefällt uns das gut aber zum Geldverdienen ist diese Tatsache sehr ungeeignet. Bis zum Abend haben wir zwei Mark verdient und eine Menge Sräusse über. Wir geben nicht auf und versuchen es am nächsten morgen gleich wieder. Eine alte Frau kommt vorbei und sie findet unsere Sträusse sehr schön. Sie möchte gleich zehn von unseren Sträussen kaufen,aber erst nach der lästigen Einkauferei. Die alte Frau ist riesengroß und sehr hager. Das beste aber an ihr ist,dass bei jedem ihrer R`s ein kleines sommerliches Donnergrollen aus ihrem Mund entweicht. Die alte Frau heißt"Frau Martha Böhme" und kommt tatsächlich zurück. Sehr schnell stellt sich heraus, dass es schwierig für sie sein wird ihre Einkaufstaschen und die Blumen nach Hause zu bekommen. Roy und ich bieten ihr an bei der Tragerei zu helfen. Frau Martha Böhme wohnt in einem Altersheim. Ihr Zimmer liegt in einem langen Flur mit vielen Türen. Dagegen ist der Flur in der Fasteinschloßvilla ein Klacks. Wir tragen Frau Martha Böhme die Taschen und die Blumen bis in ihr Zimmer, dort bekommen wir jeder fünfzig Pfennig und dürfen uns einen Bonbon aus einer blauschimmernden Schale nehmen.


 

In meiner Johannisbeerstrauchhöhle übe ich den ganzen Nchmittag, meine R`s in kleine sommerliche Donnergroller zu verwandeln. Am Abend habe ich dann auch den Rest des Nachklangs in mir durch meine vergebliche Überrei vertrieben. Gleich am nächsten morgen setze ich mich vor den Gartenzaun und warte. Am Mittag ist Frau Martha Böhme immer noch nicht vorbeigekommen. Am Nachmittag ist meine Sehnsucht nach den kleinen sommerlich grollenden R`s dann so groß, dass ich wie von selber bis zu dem Zimmer von Frau Martha Böhme laufe und dort anklopfe. Sie freut sich sehr über meinen Besuch. Ich bekomme Kaffee mit Milch und ein Sück Mamorkuchen. Marmorkuchen gehört zu den Dingen die ich manchmal esse, aber ich glaube ich hätte für die kleinen sommerlich grollenden R´s sogar Leberwurstbrot gegessen, ohne es wieder auszuspucken. Frau Martha Böhme sagt ich solle sie lieber nur Frau Martha nennen und die beiden r`s in "Frau Martha" klingen wundervoll. Frau Martha zeigt mir wie Halma geht und wir spielen den ganzen Nachmittag Halma, während sie Geschichten aus Russland erzählt. Ich bin ein liebes ruhiges Kind und darf gerne wiederkommen.

Zu Hause trinke ich jetzt jeden morgen Kaffe mit Milch,Marmorkuchen ist bei uns leider nicht immer verfügbar.Das mit dem Wiederkommen klappt fast jeden Nachmittag. Sobald meine Geschwister mit der Spielerei beschäftigt sind mache ich mich auf den Weg zu Frau Marthas Zimmer auf dem langen Flur. Frau Martha macht sich Gedanken darüber ob Halmaspielen und Russlandgeschichten nicht zu langweilig für mich sind, aber langweilig ist mir beides nie. Drei Jahre lang besuche ich die kleinen sommerlich donnergrollenden R´s, dann verlassen wir die Fasteinschloßvilla und ein Teil von uns verlässt auch Hamburg. Ich gehöre zu dem hamburgverlassenden Teil und bekomme von Frau Martha ein Abschiedsgeschenk.

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