Kellerkind

Im Keller unter dem Anbau ist es feucht und dunkel. Er ist gerade mal 1,25m hoch. Der Boden ist bedeckt mit Bauschutt. Nur ein kleiner Eingang führt in diesen Keller. Er liegt in der Wandmitte und ist 6ocm hoch und einen Meter breit. Der Keller unter dem alten Teil der Villa ist groß, er hat drei Räume. Eine knarrende Holztreppe führthinunter.Rechts hinten in dem Raum gibt es eine Werkstatt. Links hintenim Raum stehen die alten Stubenmöbel, ordentlich aufgestellt wie vorher oben in der Wohnung. Der erste Raum ist für die Heizungsanlage. Hier
stehen auch eine alte Waschmaschine und eine Schleuder. Beides wird aber nur in dem Fall benutzt, dass die neue Waschmaschine, die oben in der Küche steht, ausfällt. Ansonsten ist der Raum leer. Das Loch in der Wand zum Keller unter dem Anbau wirkt wie ein großes Maul, das jeden verschlingt der sich zu nahe ranwagt. Alle Kinder im Haus fürchten sich vor diesem Maul. Ein Kind fürchtet etwas in diesem Keller noch viel mehr, das hintere linke Zimmer. Eines Tages beschließt dieses Kind einfach in das große schwarze Maul zu klettern. Vielleicht wird es ja verschlungen. Das Kind
macht sich viele Gedanken darüber, ob das Maul es auch wirklich verschlingen wird. Es ist klein und mager und daher als Nahrung ziemlich ungeeignet. Das Kind macht sich auch Gedanken darüber was danach passieren wird. Es kann sich nur schwer vorstellen, dann einfach tot zu sein. Es stellt sich
vor in einem riesigen Schlund zu landen, de hinunter in einen großen Magen führt. Ähnlich wie Jona, der vom Wal verschlungen wurde. Das Kind stellt sich vor, dass der Magen tief unterm Garten liegt. Das Wesen das sein Maul hier in der Mauer zeigt, ist irgendwie aus den tiefen des Gartens gekommen und sucht hier nach Nahrung. Vielleicht haben die Kinder es geweckt als sie nach einem Schatz gesucht haben. Vielleicht waren es aber auch die Arbeiten am Anbau die es in seiner Ruhe gestört haben. Der Magen wird sicher einigermaßen groß sein, das Kind könnte darin herumlaufen. Sicherlich ist es auch einigermaßen warm darin. Nachdem das Kind alle diese wichtigen Aspekte bedacht hat, packt es seinen rotkarierten Rucksack. Es ist schwierig zu entscheiden welche Bücher es mitnimmt. Alle passen nicht hinein und das Kind möchte auch nicht wieder ausgespuckt werden, weil es wie ein großer fetter Stein in den Magen plumpst. Sicherlich wäre es auch klug sich genug Kleidung anzuziehen, (dann merkt das Wesen auch nicht so schnell, wie klein, mager und ungeeignet das Kind ist) Und eine Taschenlampe ist sehr wichtig, ohne Licht liest es sich schlecht. Als Alle im Haus schlafen, nimmt das Kind den rotkarierten Rucksack und den Teddybären „Camenbert-Schlawiner“ und schleicht in den Keller. Besonders vorsichtig muss es auf der knarrenden Holztreppe sein. Das Kind ist etwas tollpatschig und diese Treppe schon einige Male runter gefallen, es weiß also, dass das einen Höllenlärm macht und garantiert jeden in diesem Haus aufwecken wird. Es kommt ohne Zwischenfall unten an. Das Kind hat einige Mühe in das große Maul zu klettern, es will keinen Hocker zur Hilfe benutzen, weil die Anwesenheit des Hockers verraten könnte wo das Kind abgeblieben ist. Es kann aber auch unmöglich den Rucksack oder den Teddybären vorher reinschieben, es wäre furchtbar, wenn das Maul diese ohne das Kind verschlingen würde. Endlich hat das Kind es geschafft. Im Maul riecht es merkwürdig. Ein bisschen so wie
im Wald, nach vermoderten Tanneszapfen. Das Kind setzt sich einigermaßengemütlich hin, Rucksack und „Camenbert-Schlawiner“ fest an sich gedrückt, und wartet. -Stunde um Stunde-. Das Kind schläft ein und träumt wie es im Maul verschwindet. Es wacht irgendwann wieder auf und friert, aber es sitzt immer noch an der gleichen Stelle. Entweder hat das Wesen keinen Hunger oder es mag keine kleinen mageren Kinder. Das Kind beschließt noch ein wenig zu warten. Es holt ein Buch und die Taschenlampe raus und liest. Eine große Spinnekrabbelt auf das Buch. Das Kind hat Spinnen sehr gern, Spinnen, Schlangen, Schildkröten und die Katze „Lotte“.  Für heute muss das Kind wieder nach oben, es ist fast morgens und jemand könnte sonst merken, dass es nicht da ist. Aber das Kind kommt jetzt sehr oft hierher. Es unterhält sich mit den
Spinnen oder liest. Manchmal liest es den Spinnen etwas vor.
Es fühlt sich inzwischen sehr wohl hier und es wird lange die Hoffnung behalten, dass das Maul es eines Tages verschlingt.

 

 

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