Die verlorene Seele


  • Es war einmal eine Seele die schon in sehr jungen Jahren verloren gegangen war. Zuerst hatte die Seele nicht erkannt das sie eine verlorene Seele war, erst als sie älter wurde bemerkte sie bei vielen anderen Seelen eine Ruhe und Zufriedenheit die ihr fehlte. Die Seele beschloss diese Ruhe und Zufriedenheit auch für sich zu suchen, sie wollte nicht länger verletzbar und unruhig sein. Sicherheit, das war das was sie brauchte. So also schuf sie sich eine Höhlenwelt, klein und überschaubar. Doch immer noch drangen andere in ihre Welt ein, nahmen ihr die so wichtigen Farben und Träume. Die Seele dachte: ”Ich brauche einen Wächter, ja einen Wächter der mit seiner Liebe meine Höhlenwelt bewachen soll. Und so fand sie eines Tages einen Wächter und erkannte ihn als solchen und sie sprach zu ihm: ”Du sollst mit Deiner Liebe mein Wächter sein, mein Wächter der Höhle die mir Ruhe und Zufriedenheit gibt. Achte darauf das niemand in diese Höhle eindringt, auch Du darfst nur dort hinein wenn ich es Dir erlauben kann, bei Vollmond wenn es in mir hell und strahlend ist. Bei Neumond musst Du die Höhle wieder verlassen, denn dann wird es eng und dunkel und es ist nur noch Platz für mich in mir drin. Wenn Du das akzeptierst will ich dir um die Höhle herum ein warmes Nest voller Wärme, Farben und Sonne geben und es soll Dir an nichts fehlen.  Der der Wächter werden sollte erklärte sich einverstanden und so bauten sie zusammen ein warmes Nest voller Sonne, Farben und Wärme um die Höhle herum und der Wächter zog voller Zufriedenheit und Glück ein.
  •  Doch die Seele hatte in der Sprache des Windes gesprochen und weil der Wächter keine verlorene Seele hatte konnte er die Sprache des Windes trotz aller Güte und Liebe die in ihm war nicht verstehen und die verlorene Seele wusste nicht das der Wächter die Sprache des Windes nicht verstand
  • So lebten sie einige Jahre glücklich und zufrieden ohne sich des Missverständnisses ihrer verschiedenen Sprachen bewusst zu sein. Die Jahre liefen bis hierhin gut denn der Wächter war sensibel und respektierte unbewusst die Grenzen die ihm die verlorene Seele gesetzt hatte, aber manchmal spürte er in sich eine Sehnsucht, dass es immer so sein sollte wie bei Vollmond, wenn die verlorene Seele ihn an ihrer Welt teilhaben ließ.
  • Und weil er die Sprache des Windes nicht verstanden hatte kam er nun doch manchmal in die Höhle  wenn es erst Halbmond war und die verlorene Seele noch nicht genug Platz hatte für sie beide. Aber die verlorene Seele liebte den Wächter genauso sehr wie sie von dem Wächter geliebt wurde und so konnte sie dem Wächter nicht sagen das er die Regeln und damit auch die Seele verletzte. Sie wollte sich eigentlich auch nicht eingestehen das der Wächter die Regeln nicht einhielt und suchte immer neue Entschuldigungen für sein Verhalten ohne mit ihm darüber zu reden. Sie dachte das der Wächter auf keinen Fall verletzt werden durfte denn er war voller Güte und Liebe und er wusste wie salzig Tränen schmecken. Die verlorene Seele überlegte ob dem Wächter sein Nest nicht warm genug war, ob nicht genug Farben, Wärme und Sonne um ihn herum waren. Niemals wollte sie das der Wächter traurig wurde und so trug sie aus ihrer Höhle Farben und Träume in sein Nest und schmückte es mit Sonne und noch mehr Wärme. Der Wächter spürte die Veränderung und eine freudige Erwartung stieg in ihm hoch. Vielleicht, dachte er so bei sich, vielleicht hat sich meine Geduld und mein Verständnis gelohnt und es wird öfter Vollmond sein in der Höhle der verlorenen Seele. Und die Seele war so glücklich weil der Wächter glücklich war und sie gewöhnte sich daran mit weniger Farben und weniger Träumen in ihre Höhle auszukommen, nur das es jetzt ein kleines bisschen seltener Vollmond in der Höhle wurde. Und so lebten sie wieder einige Zeit glücklich und zufrieden. Da fühlte der Wächter wieder so eine Sehnsucht und dachte so bei sich :”Es wäre schön wenn immer Vollmond wäre”. Und wieder überschritt er die Regeln und verletzte so unbewusst die verlorene Seele weil er ja die Sprache des Windes nicht verstand. Ganz traurig wurde der verlorenen Seele zumute und sie überlegte wieder ob der Wächter nicht genug Sonne, Wärme und Farben in seinem Nest hatte. Und wieder trug sie ihm Farben und Träume heraus aus ihrer Höhle und schmückte sein Nest mit Sonne. Und der Wächter der die Sprache des Windes nicht verstand wurde wieder von freudiger Erwartung erfüllt und vergaß nun manchmal sogar bei Neumond aus der Höhle zu gehen, ohne zu wissen das die verlorene Seele daran sterben konnte. Doch die verlorene Seele wollte nicht sterben. Sie hatte durch den Wächter gefühlt was Glück, Zufriedenheit und Ruhe sind  und wie wohl man sich damit fühlt. Sie getraute sich nicht mit dem Wächter über das zu sprechen was in  ihr vorging denn noch immer liebte sie ihn sehr und wollte ihn nicht verletzen.
  • Und so schwieg sie und weil sie ja nicht sterben wollte, versuchte  sie auszubrechen um sich einen neuen Wächter zu suchen ohne sich dessen eigentlich bewusst zu sein. Und sie fand einen Wächter der sagte er konnte die Sprache des Windes verstehen und wenn sie ihm vertrauen würde wäre in ihrer Höhle fast immer Vollmond und manchmal sogar Sonne. Die verlorene Seele glaubte ihm denn sie ahnte nicht das er nicht den salzigen Geschmack von Tränen kannte und somit niemals ein Wächter sein konnte(denn nur wer wusste wie salzig seine eigenen Tränen schmecken durfte Wächter sein).Und er verstand auch die Sprache des Windes nicht so ganz wie er sagte, er verstand nur einen kleinen Teil weil nur ein kleiner Teil seiner Seele verloren war. Insgeheim hoffte er diesen Teil in der verlorenen Seele wieder zu finden. Aber er war nicht stark genug als Wächter und hatte auch nicht genug Liebe, nur genug Güte hatte er und damit versuchte er die Höhle der verlorenen Seele zu bewachen. Eine Zeitlang ging es gut und es war sehr oft Vollmond in der Höhle der verlorenen Seele und manchmal sogar ein bisschen Sonne.
  • Weil Güte aber alleine nicht reichte um die Höhle zu bewachen und er auch seinen verlorenen Seelenteil nicht wieder fand, zogen sie sich gegenseitig immer mehr in die Verlorenheit  ohne es zu bemerken und keiner war da der helfen konnte.Und der alte Wächter war auch immer noch da und sah all dieses und konnte nichts tun. Sein Herz fing an zu bluten und seine eigene Seele weinte. Jede Faser in ihm wehrte sich und schrie auf. Er litt unendlich. Und als die verlorene Seele das sah blutete auch ihr Herz denn immer noch fühlte sie eine tiefe Liebe für den alten Wächter in sich. Nie hatte sie gewollt das er so sehr leiden musste und ihr wurde gewahr was sie getan hatte. Sie zog sich in ihre Höhle zurück weinte ein paar Tage und trug dann noch mehr Farben und Träume in das Nest des alten Wächters. Aber immer noch nicht wurde ihr klar das alles nur so gekommen war weil er die Sprache des Windes nicht verstand. Aber der neue Wächter, der die Sprache des Windes ein wenig verstand weil er einen Teil seiner Seele verloren hatte, sah warum das alles geschah. Und er sah das er kein Nest bei der verlorenen Seele hatte obgleich sie auch ihm Farben und Träume gab. Und er erkannte das seine Güte niemals ausreichen würde um die Höhle der verlorenen Seele zu bewachen, dass die Sonne die er der ihr manchmal gegeben hatte nur ein Trugbild war und das er nicht wusste wie salzig die eigenen Tränen schmeckten. All dieses sagte  er der verlorenen Seele und sie sah das er recht hatte und sie spürte immer noch die tiefe Liebe zu dem alten Wächter.Und so verabschiedete sich die verlorene Seele von dem neuen Wächter der ihr so viel Freundschaft und Güte entgegen gebracht hatte. Es viel ihr unendlich schwer aber sie spürte die tiefe Liebe zu dem alten Wächter und sie wusste nicht das man beides vereinen konnte. Und auch der neue Wächter war sehr traurig. Die verlorene Seele weinte viele Tage und Nächte und mit jeder Träne die sie weinte trug sie noch mehr Farben und Träume in das Nest des Wächters weil sie eine große Schuld in sich fühlte, denn sie war verantwortlich dafür das er so sehr gelitten hatte. Sie trug so viele Farben und Träume in sein Nest bis nur noch ganz wenige übrig waren sie sah das der Wächter wieder glücklich wurde. Nur die hellen Vollmondnächte in Ihrer Höhle wurden immer seltener bis sie gar nicht mehr kamen. Und weil der Wächter dadurch wieder trauriger wurde und sein Herz wieder ein kleines bisschen anfing zu bluten und seine Seele wieder ein wenig weinte, lernte die verlorene Seele Vollmondnächte zu zaubern und damit zufrieden zu sein. Das es ganz tief in ihr drinnen, tiefer als je eine andere Seele fühlen und sehen kann nur noch Neumond gab das würde nie jemand anderes erfahren.

 

 

 

 

Nach oben