An gelben Tagen bin ich grün 

Ich bin immer blau.Blau ist eine schöne Farbe,eineFarbe die zu mir passt.Ich empfinde Blau nicht als kalte Farbe,sondern eher als eine ruhige,introvertierte Farbe,die nicht viel von dem,was in ihr steckt,preis gibt.Wenn ich mich blau fühle bin ich ganz in mir drin.Zugang zu finden,zu der Welt um mich herum ist dann anstengend und schwierig.Ich mag es blau zu sein und ich mag blaue Tage.Blaue Tage sind ruhig und freundlich.Aber ich will sie nicht immer,denn sie verwehren mir am Geschehen um mich herum teil zu nehmen und ich verpasse dann oft wichtige oder auch schöne Dinge.Manchmal sind blaue Tage aber auch sehr wichtig,nach roten oder orangen Tagen auf jeden Fall.Dann brauche ich sie um wieder zu mir selber zu finden.An blauen Tagen bin ich besonders kreativ,an diesen Tagen kann ich mich ganz meinem Inneren widmen und meine Gefühle und Gedanken zu Papier bringen,als Zeichnung oder als Text oder manchmal auch in einer anderen Form,wie zum Beispiel meiner SKULPTUR. Blaue Tage sind manchmal sehr wichtig für mich und sie gehören zu mir.


Grüne Tage sind schön.An grünen Tagen habe ich einen kleinen überschaubaren Bereich,ausgefüllt mit schönen Momenten mit meinem Schatz oder meinen Lieblingsfreunden,ohne das es anstrengend ist.An diesen Tagen lache ich sehr viel und habe oft eine Menge Spass.Grüne Tage geben Kraft und sind eine gute Ressource.An grünen Tagen fühle ich mich türkis,ziemlich fröhlich, und bin in diesem kleinen netten grünen Bereich angenehm anwesend.Inzwischen gibt es viele grüne Tage in meinem Leben und ich genieße sie.Früher gab es hauptsächlich rote und blaue Tage,dazwischen gab es wenig.Ich fühlte mich oft total verkehrt in dieser Welt und es gab eine Zeit in der ich mein Leben nicht mehr wollte.Ich habe das große Glück gehabt,einen wunderbaren Freund zu finden und inzwischen auch seine Frau zu meinen besten Freunden zählen zu dürfen.Ich habe Menschen gefunden die mir helfen,die Welt und mich besser zu verstehen und sich dadurch besser zurecht zu finden.Die beiden sind sehr wichtige Menschen in meinem Leben geworden und manchmal habe ich Angst diese Freundschaft zu verlieren.

 

Gelbe Tage sind erstrebenswert.Sie sind positiv anstrengend und beinhalten soziale Kontakte die ich gerne möchte,für die aber einige Anstrengung aufbringen muss.Zu diesen Kontakten gehört auf jeden Fall meine sehr große,aber manchmal auch sehr anstrengende Familie,einige Veranstaltungen und meine Arbeit an der Schule.Auch ein gemütlicher Einkaufsbummel mit meiner Freundin oder meinem Schatz gehören dazu.Ebenso wie unbeliebte aber wichtige Arztbesuche.Ich bin stolz auf mich,wenn ich gelbe Tage gut gemeistert habe und bewusst für ihre Anwesenheit sorge.An gelben Tagen fühle ich mich grün,bin stolz und froh wieder ein Stück weitergekommen zu sein,ein Stück am Leben um mich herum,wirklich und bewusst teilgenommen zu haben.

 

Orange Tage sind laut und unfreundlich.Es passieren haufenweise,nicht vorhersehbarer und ungeplanter Dinge.Ich bekomme nichts von dem was ich mir für diesen Tag vorgenommen hatte zurecht und habe kaum die Möglichkeit ein bisschen bei mir zu sein.Ich bin dann wie eine Marionette die nur von anderen gelenkt wird und nicht mehr eigenständig ist.Jeder in meiner Umgebung scheint an diesen Tagen zu glauben das er frei über meine Anwesenheit verfügen kann und alles Mögliche auf mir abladen kann.An diesen Tagen fühle ich mich braun.Ich bin dann ganz klein,traurig und fehl am Platz und flüchte mich in mein blaues Gefühl.

 

Wirklich schlimm sind rote Tage.Morgens täuschen sie vor gelb zu sein und ihr Rot offenbart sich völlig unvorhersehbar und plötzlich.Es kommt sehr viel zu Missverständnissen,die ich nicht klären kann.Ich bin dann sehr traurig und weine viel.An roten Tagen werde ich stumm und das macht es oft nur noch schlimmer,weil Andere mich dann für verstockt halten oder denken das ich sauer bin und sie mit dem "nicht reden" bestrafen möchte.Aber es kommt dann einfach nichts mehr aus mir raus.An solchen Tagen fühle ich mich lila,fühle mich völlig verkehrt in dieser Welt und kann den Tag eigentlich nur noch geschützt in einer Ecke verbringen.Rote Tage sind mittlerweile zum Glück sehr selten.

 

           

 

Ich habe früh gelernt meine etwas andere Art nach außen hin nicht zu zeigen,war immer sehr bestrebt "normal" zu erscheinen,so sehr,dass ich sogar meinen Mann verbergen konnte welche Schwierigkeiten ich habe.An dieser dauerhaften Anstrengung bin ich fast zu Grunde gegangen.Mein Leben bestand fast nur noch aus roten Tagen und erschien mir immer schwieriger und unerträglicher zu werden.Ich wusste nicht wo ich hingehörte und bald auch nicht mehr wer ich war.Ich fühlte mich einfach nur noch verkehrt in dieser Welt,hatte keine Ahnung warum ich so bin wie ich bin.Irgendwann dann die Diagnose"Asperger-Syndrom.Da war ich längst erwachsen,verheiratet,Mutter von fünf Kindern und Oma.45 Jahre alt.Was nun folgte war ein sehr heftiger Umbruch in meinem Leben,für meine Familie wohl noch mehr als für mich.Ich konnte mich endlich irgendwo zuordnen,ich bin autistisch.Es war für mich deutlich mehr erleichternd als schockierend.Nun konnte ich Wege finden um mich selber zu verstehen,mit mir zurecht zu kommen und vor allem dafür Sorge tragen,dass die roten Tage in meinem Leben immer weniger werden.Das ist mir vor allem mit der sehr geduldigen Hilfe meines Lieblingsfreundes gelungen.Ich habe inzwischen gelernt,dass ich nie aufhören darf zu lernen.Was Andere im Umgang mit ihren Mitmenschen instinktiv wissen-vor allem was Gestik und Mimik betrifft-muss ich  mir  sehr bewusst machen.Bei Menschen die mich nicht gut oder garnicht kennen hinterlasse ich oft den Eindruck,unhöflich und schüchtern zu sein,ein Eindruck den ich garnicht unbedingt hinterlassen möchte.Ich finde immer mehr den Mut,Menschen mit denen ich öfter zu tun habe,mit zu teilen warum ich so bin(z.B beim Arzt oder in der Schule)Es tut mir gut,denn es gibt mir die Möglichkeit mich etwas freier zu bewegen,ich achte nicht mehr so sehr darauf nicht anzuecken.Vor allem aber schenke ich meinen Fähigkeiten mehr Beachtung und baue sie aus.Das ist deutlich effektiver als ständig an Defiziten zu arbeiten.Auch für meine Familie ist es jetzt etwas einfacher mit mir zurecht zu kommen,es nicht allzu persönlich zu nehmen wenn ich blaue Tage habe.  
     

 

 

Nach oben